Augenhöhe

Der Schkeuditzer 5:4 n.V. (0:0,0:2,4:2,1:0) Erfolg über die zweite Mannschaft der Floor Fighters aus Chemnitz reihte sich am letzten Sonntag würdig ein, in eine Reihe von 3 teils mitreißenden Partien gegeneinander in der Vorsaison. Doch bevor wir in die Partie mit ihrem faszinierenden Gleichgewicht der Kräfte einsteigen, müssen wir mal reden. Worüber? Dazu werfen wir wie gewohnt zunächst einem Blick auf die jeweiligen Mannschaftsstärken vor dem Bully.

Hier hatten die Gastgeber nämlich im ersten Heimspiel der Saison quantitativ das Nachsehen, was per se ein Unding ist. Chemnitz hat in der Sommerpause augenscheinlich Weichen umgestellt, und rückte mit ungewöhnlichen 14+2 Leuten in Schkeuditz an (wobei Peer Mathiebe allerdings ausschließlich als Coach fungierte). Bei uns ließen indes magere 13+2 Aktive ein 3-Reihen-Spiel von vornherein zur Makulatur werden. Hatten wir hier im ersten Bericht noch über unsere zu erwartenden Kaderschwankungen geunkt, hatten wir da noch nicht im Sinn, derart schnell von der Realität eingeholt zu werden. Wer jetzt mit der Ferien-Totschlagargument aufkreuzt, dem knallen wir mal ein paar Vergleichs-Zahlen um die Ohren. Wir fallen runter von 17+1 in Spiel 1 auf nun 13+2 zuhause. Chemnitz hatte 16+1 im ersten Heimspiel, nun mit 14+2, und der neuformierte blutjunge UHC spielte mit 11+1 in Chemnitz, und mit 12+1 am Sonntag in Schkeuditz. Chemnitz liegt unseres Wissens nach auch im Bundesland Sachsen, und Sachsen-Anhalt hatte ebenso Ferienbeginn. Warum also müssen wir hier zig Tastaturanschläge verschwenden, um uns eine (Einstellungs?)-Frage zu stellen, die man sich bei unserem breiten Kader niemals stellen dürfte? Unter diesen Voraussetzungen muss ernsthaft darüber nachgedacht werden, ob das Ziel 2.Bundesliga als Ziel aufrechterhalten werden sollte. Denn dazu braucht es Planbarkeit, dazu braucht es Verlässlichkeit, und dazu braucht es inneren Zusammenhalt, von der Stammkraft bis zur Reserve. Was es aus Trainersicht dazu überhaupt nicht braucht, sind ängstliche Blicke auf irgendwelche Ferienkalender. Das alles sollte im Vorfeld einer endgültigen Entscheidung auch endgültig geklärt sein. Damit Ende, und weiter…

…mit den positiven Aspekten des Sonntags, wo so halt jeder ein wenig mehr laufen musste. Dies taten die anwesenden Aktiven dann auch voller Leidenschaft, und haben sich dafür mal wieder mit einem TEAM-Erlebnis der besonderen Art belohnt. Im Einzelnen stellte sich der Kader wie folgt auf:

Tor: Linke
Reihe 1: Beyer, Dietel, Schulemann, Blochwitz, Mühle
Reihe 2: Hoffmann, Hoppe, Röder, Käseberg, Wieczorek
Reserve: Freund (Tor), Rockmann, Leypold, Weikum

Und nun rein ins Spiel und zurück zur Augenhöhe. Chemnitz ganz kurz nur mit anfänglichen dezenten Abstimmungsproblemen. Schulemann hat die frühe Führung zweimal auf der Kelle, und macht sie nicht. Goalgetter ist halt nicht des Käptns zweiter Vorname. Der Kerl heißt schlicht und einfach nur Max. Ganz klar ein elterliches Versäumnis! Danach hatten dann aber auch die etatmäßigen Standard-Torschützen auf beiden Seiten wenig bis keine Chancen, um ihre Triebe vollumfänglich auszuleben. Konzentriert bis in die letzte Floorballer-Muskelfaser wurde hüben wie drüben verteidigt, so dass beide Goalies nur mit Standard-Kram befasst waren. Und sie fassten jeweils fehlerfrei. So bleibt als DAS Protokoll-Ereignis im ersten Drittel eine Schkeuditzer Unterzahl ab der 7.Spielminute stehen, die man, wie auch die noch folgenden, erstklassig in der dritten Spielklasse verteidigte. Ein 0:0 zur ersten Pause, auf absoluter Augenhöhe.

Gegenseitige Neutralisation auf hohem Niveau dann auch in der ersten Hälfte des zweiten Drittels. Bei Schkeuditz begann man peu à peu mit Durchwechseln, ohne das es der Konzentration Abbruch tat. Das passierte bei unseren Gästen sicher auch, jedoch fehlte uns da der Überblick. Also mutmaßen wir das mal hier rein. Erste Bewegung brachten zwei Strafen. Einmal gegen Schkeuditz (32:57min – Wechselfehler sind immer doof!), und einmal gegen Chemnitz (33:26min – Stockschlag – so gehört sich das beim Floorball!). Wer auf die Zeiten guckt, erkennt die wechselnden Mehrheiten auf dem Feld ebenso, wie die Zeit des 4 gegen 4. Auf Augenhöhe hat man sich aber auch hier nichts getan. Schluss mit lustig dann aber zu einem Zeitpunkt, als zumindest unsereins schon mit dem nächsten Drittelpausen-0:0 liebäugelte. Stöß auf Magyar, 0:1 (37:11min). Plötzlich und unerwartet. Und als ob das nicht für den Anfang reicht, setzt die gleiche Combo direkt noch einen drauf, 0:2 (38:45min). Ins Detail können wir nicht gehen. A) wir hockten zu weit weg, b) unsere Augen waren im 0:0-Modus zudem bereits leicht verschleiert. Ein Floorball-Experte auf der Tribüne bezeichnete im Nachgang beide Treffer als „schön“. Wir vertrauen mal darauf, und fragten uns gleichzeitig etwas besorgt, wie und wo Schkeuditz im weiteren Spielverlauf den Schlüssel zum Schloss der Chemnitzer Defense zu finden gedenkt. Schluss mit Augenhöhe -> Pause!

Wechsel im Schkeuditzer Tor zu Beginn des letzten Drittels. Freund erhält auch noch Praxis, die sich dann ganz und gar praktisch im 0:3 nach 24 gespielten Sekunden manifestierte. Stöß/Magyar, schon mal gehört? Das Ding rutscht auch noch unglücklich unter dem Schoner durch. Ziemlich bescheidener Start in ein Drittel, in dem man eigentlich schon was aufzuholen hatte. Schkeuditz schien sackig, und zeigte spürbar Reaktion. Als hätte jeder noch 10 Extraprozente für den Notfall im Köcher gehabt. Zunächst hatte Chemnitz nachfolgend auch ein Problem mit Adam Ries. Wechselfehler (43.Minute) – nix passiert. Aber kurz danach. Röder erwischt die Murmel, geht mit Dietel allein auf den Chemnitzer Kasten, legt rüber, Formsache (aber nur für nen Goalgetter!), 1:3 (44:40min). 46:04min, nochmal Überzahl für Schkeuditz, diesmal aber, 11 Sekunden hats gedauert. Mühle diagonal durch den Slot auf Käseberg am langen Pfosten, 2:3. Schkeuditz wird erstmal eingebremst, und muss selbst nochmal 2 Minuten in Unterzahl feste und erfolgreich arbeiten (ab 51:05min). Die 56. Spielminute bricht gerade an, da findet Blochwitz Mühle, und Mühle findet das Tor, Ausgleich! Negative Schwingungen verbreitet weiter Stöß. Einmal den Bogenlauf bitte, ein paar Zentimeter zuviel Luft dran gelassen, zack in den Winkel, 3:4 (56:33min).

Haben Hunger: Enten!

>> Stöß, Stöß, immer wieder Stöß! Himmelherrgott, in dem Alter kann man durchaus auch schon gemütlich auf ner Bank am schönen Schlossteich sitzen und Enten füttern, und muss nicht wieder und immer wieder unbescholtene Schkeuditzer nerven! Schon mal drüber nachgedacht? So, das musste jetzt mal raus! <<

Weiter im Text. Die Hausherren nehmen anderthalb Minuten vor Ende den Keeper raus, und der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Wieder Mühle direkt, scharf und diagonal, und diesmal findet er Blochwitz am langen Pfosten. Blochwitz-Tore gehören nicht unbedingt zum Standardprogramm. Umso schöner für den nimmermüden Dauerläufer, dass es dann mal so ein wichtiges Ding sein darf, 4:4 (58:43min), Verlängerung. Man war zurück auf Augenhöhe.

Zehn weitere Minuten des sich „Tief in die Augen schauens“ waren aus Schkeuditzer Sicht dann nicht mehr vorgesehen. Ganze 41 Sekunden waren gespielt, als Dietel das Match schnörkellos und flach beendete. Und ein bissl leid taten sie uns im Anschluss dann schon, die Chemnitzer. Aber einer musste am Ende gewinnen, und da ist Schkeuditz in unseren Augen nun mal die bessere Alternative. Am 16.12. steht jedoch schon das Re-Match in Magdeburg an, und wir prophezeien schon mal, dass es dann und dort ganz anders laufen wird.

Und Magdeburg heißt auch gleich der kommende Schkeuditzer Gegner:

07.10.2017 – 17:00Uhr – Magdeburg
Floorball Tigers Magdeburg vs. MFBC Schkeuditz

Das Protokoll zum Sonntag: https://sbkost.saisonmanager.de/index.php?seite=game&game=10855

cs

Foto Schlossteich: Harald Creutziger

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