Zeit für die Reset-Taste

Der schmeichelhafte Schkeuditzer 6:5 (1:3,1:1,3:1,1:0) Erfolg im Sudden Death über der U23 der Red Devils Wernigerode offenbarte erneut ein reichhaltiges Spektrum an Mängeln. Diese fallen nicht einfach so vom Himmel, sondern haben Ursachen. Und über die muss man nun auch mal reden.

Edvard Munchs „Der Schrei“ beschreibt am ehesten die Gefühlslage der Betrachter des Schkeuditzer Spiels. >1893 – Öl, Tempera und Pastell auf Pappe <

Vorab betätigen wir uns als Feigenblatt-Lieferant für Larifari-Floorballer: Wir spielen in der dritthöchsten Spielklasse einer Randsportart, die zwar jedem einzelnen Akteur scheinbar irgendwas bedeuten muss, wo jedoch die Bereitschaft darin zu investieren unterschiedlich ausgeprägt ist. Damit erzählen wir ja hier nichts grundlegend neues. Spiele ich nun Schach o.ä., kacke ich je nach meiner individuellen Investitionsbereitschaft alleine ab, oder auch nicht. Shit happens. Im Floorball funktioniert aber der Laden leider nun mal nur als Team. Und da tauchen dann einige Fragen auf. Der einfache Weg: Ich lamentiere über die derzeit miserablen Rahmenbedingungen (Trainingszeiten/orte etc.), zeige mit den Fingern auf andere, und ducke mich damit genüsslich weg. Einwurf unsererseits: Sooo viel anders waren die Rahmenbedingungen in der Vorsaison auch nicht (ohne sie gutheißen oder relativieren zu wollen).

Francesco Fracanzano „Mann mit einem Spiegel“ Die Spielkleidung hat sich im Laufe der Jahre verändert. Eine gesunde Selbstreflektion gilt damals wie heute. >2. Drittel 17. Jh. Öl/Lw<

Kommen wir also zum eventuell schmerzhaften anderen Weg: Dem Blick in den Spiegel. Da steh ich nun, blicke in mein Antlitz, und soll mir selbst schonungslos die Frage beantworten, ob ich bereit war, und ob ich künftig bereit bin, für mein Team auch wirklich das allerletzte rauszuholen. Im Gegensatz z.B. zum Fußball ist eben der eine nicht gegangene letzte Meter , der eine inkonsequent geführte Zweikampf , oder die eine unnötige Strafe hier in unserem kleinräumigen und schnellen Sport für mein Team teils existenziell ungünstig. Je nach persönlicher Bereitschaft und Fähigkeit zur Selbstreflexion sollte also erstmal jeder auf Ursachenforschung bei sich selbst gehen, auch wenn es vielleicht manchmal weh tut. Dann hauen wir also mal alle, die idealerweise mit sich selbst im Reinen sind, in ein Team. Bei diesem Team fragt man sich, warum es derzeit so absolut leblos und uninspiriert rüberkommt? Nicht falsch verstehen, dieser 11 (oder bei uns eben mehr) Freunde müsst ihr sein – Mist ist nur was für Muschis und beschreibt seltsam verklärte Idealzustände. Ein Grundrauschen war und ist normal, solange dadurch das gemeinsame Erfolgsziel nicht in Frage gestellt wird. Das hat Schkeuditz in der Vorsaison trotz aller Rahmenbedingungs-Widrigkeiten gut hinbekommen. Wenns drauf ankam, war man zumeist „on fire“. Am Sonntag kochte man indes unter Anleitung von Christian Fritsche und Max Patzold mal wieder auf der absoluten Sparflamme, und dass, obwohl man personell endlich mal wieder gut aufgestellt war:

Andy Warhol „Che Guevara“ Hat mit dem Spiel nichts zu tun, sieht aber schön bunt aus. >1968<

Tor: Erik Freund
Reihe 1: Damm, Dietel, Käseberg, Mühle, Saß
Reihe 2: Beyer, Hoppe, Röder, Opitz, Kunkel
Reihe 3: P.G.Richter, Leineweber, Benndorf, Leypold, Wieczorek
Reserve: Linke, Schuster (beide Tor), F.Richter

Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgehen, dass hier sogar noch die eine oder andere Stammkraft fehlt, während Wernigerode mit 11 Feldspielern und einem Keeper nach Schkeuditz gereist ist.

Das Spiel begann mit einem raschen Wieczorek-Tor zum 1:0 in der 2.Spielminute zunächst vielversprechend, ehe Schkeuditz sehr schnell in tiefer Agonie versank. Anders kann man das Ballgeschiebe fern jedweder Kreativität und ohne Esprit nicht beschreiben. Dazu diese gespenstige Stille, in der man nur das Klacken der Bälle am Schläger, oder das gelegentliche Quietschen der Sohlen auf dem Hallenboden vernehmen konnte, wo man Kommunikation auf dem Spielfeld und positive Energie auch von der Bank erwarten sollte. Die Litanei der vielen technischen Fehler beten wir hier nicht wieder runter (wir sind in der Regionalliga), aber der Mangel an Leben im Team erschreckte schon. So erging man sich halbgar in viele Zweikämpfe, die man auch reichlich verlor, während man nach vorne wenig bis nichts auf die Reihe brachte. Wernigerode, bekanntermaßen mit einigen flinken, jungen und gut grundausgebildeten Aktiven unterwegs, ergriff die von Schkeuditz freundlich hingehaltene Hand, und bemächtigte sich direkt des ganzen Schkeuditzer Armes. Kann man ihnen auch nicht verdenken. Irgendwer musste sich ja der festgefahrenen Veranstaltung annehmen. Die Hausherren sahen sich dazu nachweislich außerstande. So änderten also Zilling und Sundt den Spielstand zunächst auf 1:2, dem noch ein Eigentor zum 1:3 folgte. Wir schrieben da die 17.Spielminute. Die Chance eine Minute später in Überzahl in das entglittene Spiel zurückzufinden -> Fehlanzeige. Anschließend zog man sich in die Pausenberatungen zurück.

„Luzifer frisst Menschen“ Ganz soweit kam es am Ende nicht, aber den Red Devils wurde es über weite Phasen des Spiels zu einfach gemacht. >Mosaik Kuppel des Baptisteriums in Florenz<

In Ergebnis derer kehrte Schkeuditz mit Linke anstatt Freund im Tor ins Spiel zurück. Ja mei, Freund hat zwar drei geschluckt, aber das nach vorne nichts geht, kann man ihm schwerlich anlasten. Das Problem blieb einfach weiter das nicht vorhandene spielerische Schkeuditzer Gesamtkunstwerk. Zwar rutscht Dietel so ein typisches Ding (dazu später mehr) zum Anschluss von der Kelle, 2:3 (24:02min), was man nur sehr wohlmeinend als verdienten Ausdruck optischer Überlegenheit feiern könnte, aber eigentlich gab es keinen großen Unterschied zu Drittel 1. Dann nimmt sich Dietel zwei Minuten, und eine reichliche Minute später leistet ihm Jungteufel Sundt Gesellschaft, ohne das daraus Ergebnisveränderungen erwachsen. Diese wären allerdings durchaus möglich gewesen. Doch den Sundts Strafe vorausgehenden Schkeuditzer Penalty schoss Mühle einfach vorbei. Lasch, ohne Konzentration und Spannkraft, und somit perfekt zum Spiel der Gastgeber passend. (Ein Video des Vorganges liegt uns vor. Aus ästhetischen Gründen nehmen wir jedoch von einer Veröffentlichung Abstand. Das brauchen wir hier jetzt nicht auch noch. Stattdessen empfehlen wir besser mit dem Weinen anzufangen -> https://www.youtube.com/watch?v=TqhOVY58zIo) Das Dietel dann ziemlich genau zwei Minuten nach Ablauf der ersten Strafe gleich wieder für zwei Minuten nach Stockschlag abgeht, sollte einem so erfahrenen Spieler auch nicht passieren. Diesmal gabs dann auch die Quittung: 2:4,Mennigke (33:30min), und damit beenden wir die unheimliche Reise durch die absoluten Tiefpunktsminuten im sonntäglichen Schkeuditzer Spiel. Und der Rest des Drittels? Der ist vorhergehend bereits hinlänglich beschrieben. Pause.

Unbekannter Künstler „Nochmal Glück gehabt, Martin. Der Termin für einen Ganzkörper-Übertrag auf Perry Saß wurde erstmal wieder gecancelt.“ >Bleistift auf Monitor – 1.Drittel 21Jh.<

Letztes Drittel, Schkeuditz ändert die Formationen, und erhöht den Druck. Gepresst soll werden. Die 11 Feldspieler aus dem Harz müssen doch auch irgendwann langsam mal schlapp machen. Mit schlapp machen hatte allerdings wieder eines dieser Dietel-Dinger dann aber noch nichts zu tun. Unsereins konnte diese flache Möhre diesmal genau beobachten. Warum sich Brandt im Gästekasten mit dem einfachen Abwehren so schwer tat, erschließt sich uns nicht wirklich. Dessen verdutzter Blick auf seine Handschuhe lässt nur den Schluss zu, dass diesen „Geschossen“ irgendein böser Zauber innewohnen muss. Unbegreiflich! 3:4 (42:59min).Irgendwann danach: Kurzzeitige atmosphärische Störungen in den Reihen der Gastgeber, und dann, zeitlich genau zu fixieren, ein Konter der Gäste. Wieder Mennigke, 3:5 (48:55min). Wars das? Nein! Lässt am Ende wirklich ein schnöder Wechselfehler die physischen Lichter der Teufel langsam erlöschen (51:20min)? Natürlich machen wir in Überzahl wieder kein Tor. Wo denkt ihr hin. Aber 17 Sekunden nach Ablauf der Strafe machts wieder Wieczorek, 4:5 (53:37min). Der Wieczorek, der sonst immer so wenig aus seinen richtig guten körperlichen Voraussetzungen macht. Vielleicht ist am Sonntag in all dieser Schkeuditzer Tristesse ja ganz nebenbei tatsächlich ein kleines Knötchen geplatzt? Es wäre ja sowas von wünschenswert. Für ihn, für alle! Und dann macht Schkeuditz exakt nach 56 Minuten doch noch den Ausgleich. Natürlich wieder durch Dietel, und auch das dritte Ding legt ihm Hoppe auf. Diesmal wars allerdings ein Konter, an dessen Ende Dietel Hoppes Querleger nur noch einschieben brauchte. Leider nur vom Spielverlauf auf dem Protokoll her fühlte man sich damit ans Chemnitz-Spiel erinnert. In vier hektischen Schlussminuten passierte nichts mehr.

Salvador Dalis „Die zerrinnende Zeit“ möge abschließend an die dringende Verbesserung der Rahmenbedingungen erinnern. >Öl auf Leinwand – 1931<

Auch über den Wernigeröder Knock Out im Sudden Death könnte man die Chemnitz-Schablone legen. Links unten schlugs nach 40 Sekunden ein. Natürlich Dietel, und auch hier attestierte Hoppe. Das nennt man dann wohl Lebensversicherung.

Dank dieser bleibt man irgendwie auch im vierten Ligaspiel am Ende erfolgreich, auch wenn wieder ein Pünktchen flöten ging. Und dank dieser kaschiert man auch den zweiten missratenen Auftritt am Stück. Das diese Rasierklingen-Tänze in der Liga weiter ausreichen, darf allerdings ganz ernsthaft bezweifelt werden. Erst recht, wenn man am kommenden Sonntag in Zwickau erneut Dessau vor der Brust hat. Der Druck auf den Reset-Knopf kommt dafür zu spät. Das Ding muss man irgendwie noch so ziehen. Vielleicht mit vorhergehenden Blicken in Spiegel, und ganz sicher mit mehr positivem Leben auf dem Feld und auf der Bank. Für alles andere stehen dann anschließend insgesamt drei Wochen mit zwei spielfreien Wochenenden zur Verfügung.

Sonntag, 29.09.2017, 13:30Uhr, Zwickau
PSV 90 Dessau vs. MFBC Schkeuditz

Protokoll: https://sbkost.saisonmanager.de/index.php?seite=game&game=11289

cs

Titelbild: Unbekannter Künstler „So gehts nicht weiter!“ >Öl auf Monitor – 1.Drittel 21.Jh<

468 ad