Total crazy? Aber sicher!

Das Schkeuditzer Wochenende in Worte zu fassen, fällt auch im Nachgang noch ein wenig schwer. Zweimal hatte man den PSV 90 Dessau vor der Brust, und erlebte ein wahres Wechselbad der Gefühle:

MFBC Schkeuditz vs. PSV 90 Dessau 4:7 (2:3,1:2,1:2)
Samstag, 24.02.2018, 11:00Uhr, Chemnitz

Der Stachel der Pokalniederlage zu Saisonbeginn, der einzigen Schkeuditzer Saisonniederlage nach 60 Minuten, saß immer noch tief, als man den Black Wolves am Samstag nun erstmals in der Staffel gegenüberstand. Die Reihen waren zwar hüben wie drüben recht ausgedünnt (Feriennachhall?), die Motivation sollte jedoch sowohl bei den 11+2 Schkeuditzern als auch bei den 11+1 Dessauern auf dem obersten Level anzusiedeln sein. Schkeuditz stellte sich dabei unter der Obhut von Spielercoach Peter Dietel wie folgt auf:

Tor: Linke
Reihe 1: Hoffmann, Dietel, Schulemann, Mühle, Blochwitz
Reihe 2: Beyer, Richter, Benndorf, Wieczorek, Saß
Reserve: Schuster (Tor), Beuche

Wer? Ja genau, Philipp Beuche! Der gute Junge hat nach reichlich anderthalb Jahren Selbstfindungsprozess festgestellt, dass ein Leben ohne Floorball zwar möglich, aber sinnlos ist. Und schwupps, sitzte nach einmal Training gegen Dessau halt (nicht nur) auf der Bank. So schnell geht das! Ein bissl eingerostet kommt er zwar noch daher, aber das wird schon noch. Schön, das er wieder mit dabei ist.

Dann mal rein ins erste Match, wo sich Schkeuditz erstmal nicht so vera****** lassen wollte, wie in der Pokalpartie. Das gelang zunächst temporär, und Mühles zeitigen Führungstreffer gab es als Bonus obendrauf, 1:0 (3:14 min). Hinten hielt man nachfolgend den Kasten zunächst dicht, woran Josef Linke mit einer durchgängig starken Partie seinen Anteil hatte. Denn die Chancenvorteile lagen durchaus bei Dessau. Während wir unsere liebe Mühe und Not damit hatten, wenn Dessau sich hinter unserem Kasten festsetzte, blieb unser Offensivspiel Stückwerk. Zuviele Bälle gingen im Aufbau und in 1:1 Situation direkt wieder an Dessau. Wir bekamen gegen einen sehr hoch stehenden Gegner irgendwie keine Balance in unser Spiel. Das 2:0 durch Blochwitz schmeichelte uns zu diesem Zeitpunkt (12:58min). Unglückliche (und strittige) Situationen drohen indes zum Markenzeichen bei den Partien zwischen beiden Teams zu werden. Ein Paradebeispiel die Entstehung des Dessauer Anschlusstreffers. Hoffmann bekommt im Duell mit einem Dessauer dessen Schulter in Hals/Gesicht, und geht gegenüber unserer Bank außerhalb des Spielfeldes unter Schmerzen zu Boden (ein Fall für eine zahnmedizinische Behandlung). Wir können so nicht wechseln, die Schiris lassen laufen, und Dessau kommt in Überzahl und unsere Konfusion nutzend zum Anschluss durch Reitzig, 2:1 (14:48min). Dessau nutzt das Momentum direkt zum Ausgleich durch Berbig, 2:2 (16:00min). Wir schwimmen und Blochwitz geht auf die Strafbank. Alles reine Nervensache. Das Dessauer Überzahlspiel zwingend, C.Gentzsch, 2:3 (18:29min). Ab in die Pause! Wir brauchen einen Beruhigungstee.

Das Zeug war zu stark dosiert! Nach 20 Sekunden im zweiten Drittel stands 2:4, wieder Berbig. Dann geht Benndorf zum Abkühlen auf die Strafbank. In Unterzahl holt man allerdings selten Rückstände auf. Aber wenigstens fressen wir diesmal keins (ab 23:58min). Weiter geht’s, wobei sich am oben genannten Spielverlauf wenig änderte. Dessau agierte deutlich griffiger. Wieder so ein schneller Gegenstoß, der diesmal nur auf Kosten eines Penaltys zu stoppen war. Berbig macht sein drittes Ding in Folge, 2:5 (30:29min). Irgendwo da hinten schwimmen unsere Felle. Seht ihr sie auch? Berbig braucht nachfolgend auch mal ne Pause und wir kriegen den Penalty. Dietel nagelt ihn an die Latte. Mit der folgenden Überzahl wissen wir dann herzlich wenig anzufangen. Saß sendet dann doch noch das dringende Lebenszeichen, für sich, fürs Team, 3:5 (39:00min). Günstiger Zeitpunkt, Pause.

Ungewöhnliche Maßnahme dann zu Beginn des letzten Drittels. Es wurde einmal in den Schkeuditzer Reihen durchgemischt, damit sich Dietel fortan in unmittelbaren Nähe des Dessauer Tores aufhalten konnte. Da brauchte er Bälle. Die kamen auch gelegentlich (aber nicht so oft wie gewünscht) durch. Das erste klare Ding lässt der Peter allein vorm Keeper noch liegen. Die zweite Chance sitzt, 4:5 (44:47min), die dritte wieder nicht. Vielmehr klare Sachen entsprangen der Rochade nicht, wobei sich das Schkeuditzer Spiel im dritten Drittel dennoch zwingender darstellte. Es fehlte nur das Tor. So verrann Minute um Minute, ehe die Tore auf der falschen Seite fielen. Schkeuditz zunehmend offener, und Dessau dankte für den dargebotenen Raum. Beil und Düben mit den Dessauer Treffern 6 und 7 im Laufe der 59.Spielminute. Finish und lange plus ratlose Schkeuditzer Gesichter.

Im Laufe des Samstag Nachmittags sickerte dann die völlig unerwartete Chemnitzer Niederlage gegen Wernigerode durch, wonach sich die Ausgangslage in dieser Wundertüten-Staffel einmal komplett gedreht hatte. Damit war klar, gibt es beim Re-Match zwischen Dessau und Schkeuditz am Sonntag nach 60 Minuten einen Sieger, erklimmt dieser dank des besseren Torverhältnisses den Tabellengipfel. Jedes andere Ergebnis hätte Chemnitz an der Spitze gelassen. Doch die Schkeuditzer Ausgangslage für den Sonntag bescheiden zu nennen, wäre geprahlt.

PSV 90 Dessau vs. MFBC Schkeuditz 4:7 (0:1,3:1,1:5)
Sonntag, 25.02.2018, 16:00Uhr, Zwickau

Natürlich hadert man voller Selbstzweifel, wenn man gegen den gleichen Gegner die einzigen beiden glatten Saisonniederlagen kassiert. Natürlich ist man unsicher, wenn man ohne zusätzliches Personal, ohne Coach und ohne seine Topscorer zum zweiten Spiel nach Zwickau reist. Am Sonntag fehlten dann also gegenüber dem Samstag Dietel, Hoffmann und Schuster. Dies wurde kompensiert durch Kunkel, Neustadt (spielte bisher nur einmal zum Test beim Test in Halle) und Freund fürs Tor. Am Ende also wie am Samstag wieder 11+2 bei uns. Dessau hatte indes auf 13+1 aufgestockt und deren Kapitän Düben versuchte, unser warmlaufendes Team ausgiebig beobachtend, siche einen Reim aus unserem Kader zu machen.

Das haben wir auch versucht, und wurden mit folgender Aufstellung überrascht: Freund ging in den Kasten. Die komplett fehlende Defense in Reihe 1 stellten neu Schulemann und Benndorf. Mühle ging auf Center, und Blochwitz sowie Combacker Beuche gingen in die Offensive. Liest sich irgendwie seltsam, ungewohnt. In Reihe 2 agierten wie am Vortag Richter und Beyer hinten, davor Saß auf Center, und vorne sollten Kunkel und Wieczorek ihr Glück versuchen. „Dessau ein bissl ärgern.“, so die zu recht bescheidene Devise unseres Kapitäns unter diesen Voraussetzungen.

In den ersten drei, vier Spielminuten ließen diverse Abstimmungsprobleme gegen stürmisch loslegende Dessauer Zweifel am Vorhaben aufkommen. Wie am Vortag spielten dabei diverse leichte Fehler im Aufbau dem Gegner in die Karten, während man hinten eben Mühe hatte, sich erstmal entsprechend zu sortieren. Freund im Schkeuditzer Kasten wurde also ganz schnell warm, und überhitzte, wir nehmen es vorweg, im Laufe der Partie zu seiner bisher besten Vorstellung im Schkeuditzer Dress. Das rufen wir hiermit mal zum Standard für den jungen Mann aus. ;-) So überstand man mit Glück, mit Geschick und Freund diese ersten Minuten, ehe man seinerseits damit begann, den zuvor ausgeheckten Matchplan umzusetzen. Ballbesitz war das Zauberwort. In aller Arschruhe hinten rum, und nur die klaren Dinger nach vorne spielen. Klappte gegen erneut sehr hoch stehende, aber dann seltsam passiv agierende Dessauer immer besser. Hinten hieß es Dessau mit geschickter Raumaufteilung nach außen zu befördern, und sie wenn möglich hinter unserem Tor wegzuhalten. Und so wurde es für Freund tatsächlich nach und nach deutlich ruhiger, während man selbst erste feine Nadelstiche nach vorne setzen konnte. Und dann, dann funktionieren immer noch unsere alten Seilschaften. Der gegenüber dem Vortag deutlich verbesserte Saß (lag es an der neuen Position?) weiß immer noch, wo sein alter Spezi Kunkel steht. Der macht völlig unbedacht das 1:0 (17:31min), was sich im Nachgang für ihn als teurer Spaß herausstellte. Es war der 100ste Schkeuditzer Treffer in der Liga in der laufenden Saison. Aber wozu hat man sonst Eltern? :-) Bei diesem einen Treffer blieb es dann auch im ersten Drittel, und der 1:0 Zwischenstand war nicht unverdient.

Nennen wir es ruhig stoisch, überraschend stoisch und diszipliniert. So zog Schkeuditz auch im zweiten Drittel zunächst seinen Stiefel weiter durch. Zurecht wurde auf der Bank jeder Pass beklatscht, der nach vorne nicht verwertbar erschien, und anschließend wieder in der eigenen Hälfte in den eigenen Reihen landete. Das war durchaus nett anzusehen, und zeugte von einer tiefen Entspanntheit. Was hatte man zu verlieren? Richtig, nichts! Dieser „Floskel“ dann jedoch die entsprechenden Taten folgen zu sehen, machte das Match eben so denkwürdig. So ging man dann folgerichtig auch mit 2:0 in Front, als die Unparteiischen nach kurzer interner Abstimmung zurecht auf Penalty für uns entschieden. Saß tat das Ding ganz abgezockt rein (27:21min). Damit wissen wir nun auch, wer die nächsten Penaltys für Schkeuditz schießt. Basta!

Was dann folgte, setzte dem Sonntagserfolg nachträglich dann noch die Krone auf. Wir reden von 1:20min totalen Schkeuditzer Kontrollverlusts. Erst sieht sich Richter einer 1:2 Unterzahlsituation gegenüber. Da hat uns Dessau mal erwischt. Er entscheidet sich dafür, den zweiten Mann abzuschirmen, und C.Gentzsch packt die Murmel in die kurze Ecke, 2:1 (35:56min). Dessau übt und liebt es, aus dem Bully Druck aufzubauen. Man weiß es, und konnte es dennoch mal wieder nicht verhindern, der 2:2 Ausgleich durch L.Gentzsch (16:01min). Die Kombi wusste durchaus zu gefallen, muss man auch mal zugeben. Und dann war auch nochmal der Samstags-Berbig dran. Robust, rustikal (lt.Schiris alles regelkonform) tankt er sich durchaus diskussionswürdig durch zwei Zweikämpfe hinter dem Tor und in der Ecke, um abschließend nach innen zu ziehen und den Ball reinzutun, 2:3 (37:16min). Durch so eine Phase kann man mental schon mal richtig kaputt gehen. Und genau das passierte NICHT, was die ganze Geschichte eben so wertvoll machte. Schkeuditz ging ohne weiteren Schaden erstmal in die Pause, wo sich das Team aufs letzte Drittel einschwor. Und das sollte ein ganz besonderes werden.

Zunächst die Verteidiger unter sich. Schulemann legt blitzeblank für Benndorf auf, 3:3 (44:30min). Den folgenden langen Stock von hinten hat sich Schulemann bei Dietel abgeguckt. Die typischen 2 Minuten gibt’s da wie hier, und Unterzahl gegen Dessau ist immer ein bissl doof weil gefährlich, 3:4, Hoffmann (49:09min). Dass Dessau zu diesem Zeitpunkt schon verloren hatte, wussten sie aber wahrscheinlich noch nicht. Denn Schkeuditz war immer noch dran, und längst in einem adrenalingeschwängerten Rausch. Man wurde von der Tribüne gepusht, und man pushte sich selbst. Linke und Neustadt (mit starken Einsätzen zwischendrin) draußen als unbedingte Teamplayer, und auf dem Feld marschierte Team-Opi Mühle. Wild entschlossen knüppelt er aus vollem Lauf von rechts den Ausgleich rein, 4:4 (50:11min). Zwei Minuten später kommt Mühle im Konter ebenso entschlossen über die andere Seite, und bedient im Fallen noch den freien Kunkel, Führung, 5:4 (52:26min). Den verbesserten Saß hatten wir schon, 6:4 (55:43min). Jetzt bekommt Dessau das Unheil langsam mit, und zeigt Nerven. Düben stößt, Berger meckert. Weiter geht’s für 15 Sekunden im 5 gegen 3, ehe Dessau wieder einen Mann mehr aufs Feld schicken darf. Das 7:4 machts möglich, und wieder findet Mühle den dankbaren Abnehmer Kunkel (56:19min). Dem dreifachen Torschützen scheint das Geballer mit der U17 auf dem Kleinfeld doch tatsächlich peu a peu Abschlusssicherheit zu geben. Sowas können wir allseits gut gebrauchen! Noch ein bissl in Überzahl Zeit von der Uhr nehmen, und dann noch einmal voller Einsatz im 5 gegen 5, und das Ding war dank eines überragenden Teamspirits geritzt. Für genau solche Matches betreibt man sicherlich diesen Sport, oder?

Spitzenreiter darf man sich damit also nun wieder nennen, ohne sich freilich darauf auszuruhen zu können. Denn sonst ist das eben Errungene in dieser verrückten Liga bereits am kommenden Samstag wieder Makulatur, wenn man um 13:00Uhr in Weißenfels die Zwote des UHC bespielt. Nimmt man den Sonntags-Esprit in all seinen Facetten und mit der dargebotenen Disziplin allerdings 1 zu 1 mit, dann ist Schkeuditz nur schwer zu schlagen. Das auch, wenn der Kader beim nächsten Spiel wieder ein anderer sein wird. ;-)

cs

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