Double-Trainer Ralf Kühne steht Rede und Antwort

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren: Was war der Grund, dass es dieses Mal mit dem Titel geklappt hat? Was hast du im Training oder auch im Team selbst geändert?

Wir hatten im Vergleich zur letzten Saison einen personell besser besetzten Kader, nicht nur qualitativ sondern auch quantitativ. Einige Spielerinnen haben sich auch zur letzten Saison weiter entwickelt. Deshalb konnten wir fast immer die Spiele mit drei Reihen beginnen und meist auch zu Ende spielen. Das führt zu mehr Spielpraxis für die jungen Spielerinnen, damit auch zu einer höheren Zufriedenheit. Der Wettkampf ist immer der Prüfstein des eigenen Leistungsstandes. Natürlich führt ein solcher üppiger Kader zu einem gewissen förderlichen Konkurrenzdruck, der sich bis hin zu einer höheren Trainingsbeteiligung auswirkte. Dazu versuchen wir im Training  immer neue Reize zu setzen, damit wir weiter kommen, sei es taktisch oder bei den Trainingsschwerpunkten. Selbst auf ein Mentaltraining haben wir in dieser Saison gesetzt und auch das hat sich ausgezahlt. Schlussendlich darf man dann aber nicht außer Acht lassen, dass sich bei allem auch ein gewisser Teamspirit entwickeln muss, der einen durch alle Höhe und Tiefen einer Saison trägt.  Der war vorhanden und ich kann den Spielerinnen für ihren Support danken, die am Ende in den wichtigen Spielen nur auf der Bank saßen oder auf die Tribünen mussten. Hier zeigt sich, wie belastbar ein subjektiv gespürter guter Teamzusammenhalt tatsächlich ist. Wir waren eine Einheit, die gemeinsam die Finalspiele erreichen und gewinnen wollten. Und letztendlich gehört auch immer etwas Glück dazu. Aber Glück kann man sich auch erarbeiten. Und wir haben dafür gearbeitet.

 

Mal ganz ehrlich unter uns: hast du zwischenzeitlich immer an den Titel geglaubt oder ab und an gezweifelt?

In unserem Trainerstab bin ich ehrlich gesagt eher der Zweifler, ob das im Training gemachte ausreicht, ob unser Matchplan stimmt, ob, ob ob ….Wir wollten einen Titel holen und dieses Ziel hatten wir bereits im März beim Final 4 erreicht. Aber dann war das Ziel beide Titel zu holen, auch mal das Double zu gewinnen. Dafür haben wir dann im Training weiter gearbeitet. Das eigentliche Schlüsselereignis war allerdings das Pokalspiel gegen Weißenfels in der ersten Runde. Die dabei gewonnene Erkenntnis, dass wir in der Lage sind mal ein sogenannten KO-Spiel zu gewinnen. Das schaffte das nötige Selbstbewusstsein, immer die richtige Antwort zu haben, immer ein Tor zu schießen, wenn wir es brauchten. Die Geburt einer never give up  Mentalität. Und im Final 4 mussten wir auch erfahren, was Druck ausmacht. Was es heißt, der Favorit zu sein und dann das von allen Erwartete auch zu vollbringen. Das wir diesen Druck standgehalten haben, hat uns auch für das Finale gegen den UHC stark gemacht.

 

Ihr habt im Finale gleich den Sack im zweiten Spiel zugemacht. Und das in der Heimstätte des Titelverteidigers . . . .

Ja, ein gutes Gefühl. Aber diese Finalserie war schon etwas Besonderes, zumal wir in beiden Spielen insgesamt drei Mal einen Zweitorevorsprung aufholen konnten. Natürlich gehört auch etwas Fortune dazu, aber auch ein Glaube an die eigene Stärke. Wir haben in beiden Spielen gegen die Cats nicht gut gespielt, nur phasenweise gezeigt, welche Qualität noch in der Mannschaft schlummert. Wir haben noch viel Luft nach oben. Aber diese Comeback Qualität hat uns diesmal ausgezeichnet. Weißenfels hatte es in beiden Spielen in der Hand zu gewinnen. Sie liegen im zweiten Spiel sogar 75 Sekunden vor dem Ende mit zwei Toren vorn. Da macht es wenig Sinn, sich im Nachgang an den Schiedsrichtern abzuarbeiten, wenn man das eigen Spiel nicht durchbringt. Das zeugt am Ende von wenig Respekt vor der Leistung meiner Mädels. Am Ende kommt man dadurch nur als schlechter Verlierer rüber und das haben die Weißenfelserinnen auch und gerade wegen ihrer vielen Erfolge der letzten Jahre nicht nötig. Aber die Finalserie war eine tolle Werbung für den Damen-Floorball, erneut ein denkwürdiges Finale. Frauen können Floorball und bieten auch immer eine große Show.

 

Wie bereitest du dich eigentlich als Trainer auf ein Spiel vor? Abgesehen von den taktischen Entscheidungen – hast du Rituale? Wie motivierst du dich selbst?

Ich bereite mich nicht speziell auf ein Spiel vor. Natürlich denke ich über die Aufstellung und Zusammensetzung der Linien nach, welche Torfrau spielen soll, was wir taktischen umsetzen wollen. Ich beschäftige mich mit unseren Gegnern und deren Stärken sowie Schwächen. Aber Rituale  . . . . In meiner Zeit als Leichtathlet gab es so etwas, aber heute bin ich weit davon entfernt, immer das gleiche Trikot anzuziehen, solange wir gewinnen, oder eine Glückbringer mit mir rumzuschleppen. Obwohl das mit dem Glücksbringer stimmt so nicht ganz, denn meine Enkelin hat mir ihre kleine grüne Glasmurmel gegeben. Ja, ein Glücksbringer, den ich immer mal in der Kabinenansprache gezeigt habe. Die Murmel hat mich in der letzten Phase der Saison bekleidet. Hat anscheinend doch geholfen. Ich darf nicht vergessen, sie zurück zu geben.

 

Es wird ja zum Thema Trainerstab gemunkelt…  Bleibst du dem MFBC Grimma in der kommenden Saison nun als Trainer erhalten und strebst die Titelverteidigung an oder wird es Veränderungen geben?

Die Saison ist für uns eigentlich zu Ende. Eigentlich aber nur für das spielende Personal. Gegenwärtig bereite ich schon die neue Saison vor. Ob es Veränderungen im Trainerstab geben wird, kann ich noch nicht sagen. Alles ist im Fluss. Was ich aber sagen kann, ich werde noch eine Saison an der Bande stehen. Nochmals eine letzter Tanz.  2019 ist dann definitiv Schluss. Und bis dahin gibt es noch einiges zu tun, denn ich hatte schon gesagt, dass wir noch viel Luft nach oben haben. Diesen Schatz ans Licht zu heben, soll ein Ziel meiner letzten Saison sein. Dabei setze ich zuerst auch auf meinen Trainerstab, auf meine Partner Marcus, Ali,  Aileen und Robin. Sie werden mich sicherlich wieder unterstützen, Ideen einbringen, loben und auch kritisieren. Und am Ende soll dann ein weiteres bisher noch nicht eingetretenes Ereignis wahr werden, nach dem historischen Pokaltriumph 2011 und dem Double 2018, die erstmalige Titelverteidigung. Das ist die Aufgabe für eine letzte Runde Floorball. Eine wirklich anspruchsvolle Aufgabe, wenn man um die Stärke eines UHC Sparkasse Weißenfels weiß und sieht wie sich die Teams aus Dümpten, Bonn oder auch Hamburg immer weiter entwickeln.

 

Na wenn das so ist: wie sehen denn die Pläne für die Vorbereitung in der Off-Season aus? Wird an Turnieren teilgenommen? Europapokal, IFC?

Noch ist am 3. Juni ein letztes Spiel in der Damen Regionalliga zu bestreiten. Das muss aus einer eher sportiven Betätigung erfolgen. Die offizielle Saisonvorbereitung beginnt am 22. Juni und führt uns gleich eine Woche später nach Dresden zum IFC. Ein gut besetztes Turnier mit vielen Damenteams.  Natürlich würde ich mir wünschen, dass das Turnier eine Monat später stattfindet. Das würde eher in unsere Saisonvorbereitung passen. Ende August wollen wir wie in den letzten Jahren gegen Herrenteams beim Phönix-Cup in Leipzig spielen. Dazu planen wir Anfang September ein eigenes kleines Turnier für Damenteams auszurichten, ohne Startgebühr und voraussichtlich mit einer Geldprämie anstatt eines Pokals. Und dann wollen wir wieder für den Europapokal melden. Wie jedes Jahr eine sehr fragilen Geschichte, da bisher ein Austragungsort nicht feststeht und sich abhängig vom Ausrichter auch mal schnell der Austragungstermin ändern kann. Und das deutsche Startrecht kommt aus einer Black Box und in der ist bekanntlich immer sehr dunkel.

 

 

Die Damen-Bundesliga wird ja nun um zwei Teams erweitert. Wie sagst du zu dieser Entwicklung und hast du eventuell einen Appell oder Tipps an weitere Mannschaften, die in der Zukunft ein Team stellen könnten um in der Bundesliga mitzumischen?

Ich wünsche mir eine Damen-Bundesliga mit mindestens acht Teams. Das könnte der nächste Schritt sein. Teams dazu gibt es genügend, die sich nur auf den Weg machen müssten, weg von einem Hobbysport zu etwas mehr Professionalität. Dazu bedarf es natürlich der Unterstützung des Heimatvereins und auch von FD. Viele Mannschaften haben eine dafür ausreichende Kaderstärke und man kann an den Ergebnissen im Pokal und der Meisterschaft schon sehen, dass Teams wie Dümpten, Bonn, SG Wernigerode/Chemnitz oder auch Hamburg einen Zahn zugelegt haben. aber diese Entwicklung geht nur weiter, wenn man sich beständig mit den anderen Teams misst. Nur so kann man sehen, wo man national steht und welche Schritte erforderlich sind, um die beiden Dauerfinalisten auch mal abzulösen. Die Zeit dafür ist reif.

 

Jetzt noch eine fiese Frage, die beantworten werden muss! Hast du eigentlich eine Lieblingsspielerin in deinem Team? 😜

Grundsätzlich muss man nicht alle Fragen beantworten. Warum? Ich habe einige Spielerinnen, mit denen ich mich zu Fragen das Team betreffend, zur Aufstellung, zur Taktik und auch direkt h im Spiel austausche. Aber eine Lieblingsspielerin habe ich nicht. Ich habe von meiner Tochter immer mehr gefordert, mehr verlangt und sie kritischer gesehen als vielleicht andere Mädels im Team. Keine Bevorzugung war damals die Devise. Richtig oder falsch, aber heute mache ich schon mal das eine oder andere Zugeständnis, wenn es der Spielerin und vielleicht auch damit der Mannschaft hilft. Aber auch das hat dann mit einem Liebling nichts zu tun. Dieses Privileg hat zu Hause meine Katze Julie.

 

Nun darfst du aber erstmal das Triple und die kommende freie Zeit genießen. Wie gestaltest du diese denn persönlich? Freust du dich darauf, Dinge zu unternehmen, die bisher wegen der ganzen Trainings- und Spielplanung liegen geblieben sind?

Ich hatte es schon erwähnt, dass die jetzige Phase viel Zeit frisst, da die neue Saison vorzubereiten ist. Sicherlich mehr bürokratischer Aufwand, aber eben doch Zeitaufwand. Der Unterschied sind aber die freien Wochenenden. Da gibt es aber einiges am Haus oder im Garten nachzuarbeiten. In dieser Zeit werde ich dann durch meine Frau gecoacht. J Aber diese Zeit ist trotzdem wichtig, um Abstand zu gewinnen und Kraft zu tanken. Und ich möchte auch mit meiner Frau einiges unternehmen, zu was wir oftmals nur in dieser trainingsfreien Phase kommen. Und ich werde selbst mal wieder etwas mehr Sport treiben.

 

Danke!

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